Kafkas Amerika-Roman in Bremen 

Nach dem Erfolg der Schloss-Adaption von 2015 inszeniert das Theater am Goetheplatz in Bremen erneut ein szenischen Konzert mit Jaroslav Rudiš und der ›Kafka Band‹, diesmal nach Motiven von Kafkas Roman Der Verschollene. Uraufführung ist am 22. September 2017.

Berlin: Ausstellung des Process-Manuskripts 

Vom 30. Juni bis 28. August 2017 wird im Martin-Gropius-Bau in Berlin das gesamte handschriftliche Manuskript von Kafkas Roman Der Process ausgestellt, insgesamt 171 Blätter. Das Manuskript, das ursprünglich im Besitz von Max Brod war, wurde 1988 vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar für ca. 3,5 Millionen DM ersteigert.


Überraschender Fund eines Kafka-Briefs 

Erneut hat das Deutsche Literaturarchiv in Marbach einen Brief Kafkas erworben. Der Inhalt des vierseitigen Briefs, den Kafka Anfang Oktober 1913 aus Riva an Felix Weltsch sandte, war seit der ersten Briefedition von 1958 bereits bekannt. Das Original fand sich im Januar 2017 zufällig bei einer privaten Besitzerin in Ludwigsburg.

Kafkas Schloss in München 

Das Münchner Volkstheater zeigt seit Januar 2017 eine Bühnenadaption von Kafkas Roman Das Schloss. Regie führt Nicolas Charaux. (Besprechungen auf nachtkritik.de)

Bayerischer Rundfunk: Das Schloss als Hörspiel 

Klaus Buhlert hat Kafkas Roman Das Schloss als aufwändiges Hörspiel mit zahlreichen prominenten Sprechern inszeniert. Das zwölfteilige Hörspiel wird ab 15. Januar 2017 sonntags um 15 Uhr auf Bayern 2 gesendet (Wiederholung montags um 20.03 Uhr) und sukzessive in der BR-Mediathek zum Download und zum Nachhören angeboten. Die Hörbuch-Edition mit zwölf CDs erscheint im März 2017 im Hörverlag.

Brods Nachlass geht an die Israelische Nationalbibliothek 

Nach achtjährigem Rechtsstreit hat das Oberste Gericht Israels Anfang August 2016 entschieden, dass der umfangreiche Nachlass Max Brods, derzeit im Besitz von Eva Hoffe (Tel Aviv), an die Israelische Nationalbibliothek in Jerusalem auszuhändigen ist. In verschiedenen Pressemitteilungen hatte die Nationalbibliothek bereits zugesagt, den bislang unzugänglichen Nachlass so bald wie möglich der Forschung verfügbar zu machen. (Artikel von Andreas Kilcher in der Neuen Zürcher Zeitung)

Kurt Krolop gestorben 

Am 22. März 2016 starb der Prager Literaturwissenschaftler Kurt Krolop im Alter von 85 Jahren. Krolop machte sich vor allem um die Erforschung der Prager deutschen Literatur verdient. Daneben publizierte er zahlreiche Arbeiten zum Werk von Karl Kraus. In den sechziger Jahren nahm Krolop an den legendären Kafka-Konferenzen auf Schloss Liblice teil. Zuletzt war er Präsident der Prager Kafka-Gesellschaft sowie Mitbegründer des Prager Literaturhauses deutschsprachiger Autoren.

Kriegenburg inszeniert erneut Kafka 

Nach seiner gefeierten Inszenierung des Process-Romans (Münchner Kammerspiele, 2008) präsentiert Andreas Kriegenburg nun eine Bühnen-Collage, die auf mehreren Prosawerken Kafkas beruht, vor allem dem Blumfeld-Fragment und Der Bau. Das Stück unter dem Titel Ein Käfig ging einen Vogel suchen wird am Deutschen Theater Berlin gezeigt. (Rezensionen im Tagesspiegel, in der Frankfurter Rundschau und in der Tageszeitung)

Kafkas tschechischer Pass versteigert 

Bei einer vom Auktionshaus Bonham am 22. September 2015 in New York durchgeführten Versteigerung wurde ein tschechischer Pass Franz Kafkas angeboten. Er stammt aus dem Besitz Salman Schockens, der ihn von Robert Klopstock erhalten hatte. Der Pass wurde 1922 ausgestellt, umfasst 32 Seiten und trägt Kafkas eigenhändige Unterschrift (»Dr. F. Kafka František«). Der Auktionserlös betrug $ 37.500, der Käufer blieb anonym.

Věra Saudková gestorben 

Am 3. August 2015 verstarb in Prag Věra Saudková, die letzte noch lebende Nichte Kafkas, die ältere Tochter von Ottla Kafka und deren Ehemann Josef David. Sie wurde 94 Jahre alt. (Video)


Weitere Briefe von Milena Jesenská entdeckt 

In der Staatssicherheitsakte von Jaromír Kreijcar, zweiter Ehemann von Milena Jesenská, wurden vierzehn Briefe entdeckt, die sie 1940 bis 1944 aus Gefängnissen in Prag und Dresden sowie aus dem Konzentrationslager Ravensbrück schrieb. Die Briefe erschienen in deutscher Übersetzung und mit Kommentaren von Alena Wagnerová in der Neuen Rundschau, 2015, Heft 2. (Auszüge in Die Welt)

Neu gestaltete Gedenkräume in Kierling 

Im Jahr 2014 wurden die beiden Kafka-Gedenkräume im ehemaligen ›Sanatorium Dr. Hoffmann‹, Kafkas Sterbehaus in Kierling bei Wien, grundlegend neu gestaltet. Das Ensemble umfasst jetzt eine kleine Ausstellung sowie die wichtigste Sekundärliteratur zur freien Nutzung. Die Räume sind an drei Samstagen im Monat geöffnet, sonst nach Vereinbarung. Auskunft bei der Österreichischen Franz Kafka-Gesellschaft.

Internationale Umfrage zu Kafka 

Im Rahmen seines Projekts ›Der Kafka-Atlas‹ führt der Wiener Literaturwissenschaftler Ekkehard W. Haring eine weltweite Umfrage durch, welche die Rezeption, aber auch das Image Kafkas in zahlreichen Ländern ermittelt. Nach der Auswertung von mehr als 1.300 Fragebögen wurden im März 2015 die ersten Ergebnisse sowie eine Reihe von Länder-Artikeln online verfügbar gemacht.

Das Schloss und die ›Kafka Band‹ 

Die ›Kafka Band‹ mit dem Schriftsteller Jaroslav Rudiš und dem Comic-Zeichner Jaromír Švejdík (alias Jaromír 99) hat ihre Songs mit Texten aus Kafkas Roman Das Schloss Anfang 2014 als CD veröffentlicht. Das Projekt entstand in Kooperation mit dem Literaturhaus Stuttgart und dem Deutschen Literaturarchiv, Marbach. (Titel ›Ankunft‹ / Live-Performance) Das Schloss als graphic novel, gezeichnet von Jaromír Švejdík, erschien 2013 im Knesebeck Verlag.

Kafka-Kurier 

Im Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main, erscheint ab Mai 2014 und in loser Folge der Kafka-Kurier. Herausgeber sind Roland Reuß und Peter Staengle.

Alice Herz-Sommer gestorben 

Am 23. Februar 2014 starb in London die Pianistin, Musikpädagogin und Holocaust-Überlebende Alice Herz-Sommer. Sie wurde 110 Jahre alt. Die in Prag geborene Alice Herz hatte eine um elf Jahre ältere Schwester Irma, die Kafkas engen Freund Felix Weltsch heiratete. Dadurch kam Alice auch in Kontakt zu Kafka; noch im hohen Alter konnte sie sich an gemeinsame Spaziergänge mit ihm erinnern. (Kurzbiografie und Links)

Martin S. Bergmann gestorben 

Der in New York lebende Psychoanalytiker und Sachbuchautor Martin S. Bergmann ist am 22. Januar 2014 im Alter von 100 Jahren gestorben. Er war der Sohn von Kafkas Klassenkamerad Hugo Bergmann, eines publizistisch aktiven Zionisten, der mit seiner Familie bereits 1919 von Prag nach Palästina auswanderte. Martins Mutter Else Bergmann (geb. Fanta) lud den tuberkulosekranken Kafka ein, ebenfalls nach Jerusalem zu kommen und dort zunächst bei ihrer Familie unterzukommen. Überliefert ist, dass Hugo Bergmann diesem Plan skeptisch gegenüber stand, da er um die Gesundheit seines Sohnes Martin besorgt war. (Bericht in der New York Times)

Kafka-Brief für 154.000 Euro versteigert 

Das Auktionshaus Kaupp in Sulzburg bot bei einer Versteigerung am 4./5. Oktober 2013 einen achtseitigen Brief Kafkas an. Der Brief an Max Brod wurde im südböhmischen Planá nad Lužnicí verfasst und traf am 11. September 1922 in Prag ein. Der erzielte Verkaufspreis betrug 154.000 Euro. (Artikel von Andreas Kilcher)

Neue Max Brod-Werkausgabe 

Nachdem die Werke Max Brods jahrzehntelang fast völlig aus dem Buchhandel verschwunden waren, beginnt nun der Wallstein Verlag (Göttingen) mit der Publikation einer zehnbändigen Auswahl, herausgegeben von Hans-Gerd Koch und Hans Dieter Zimmermann. Die ersten beiden Bände erschienen im März 2013: Jüdinnen und andere Prosa aus den Jahren 1906-1916 sowie Arnold Beer. Das Schicksal eines Juden. (Rezension in der Neuen Zürcher Zeitung)

Marbach: Deutsches Literaturarchiv erwirbt »Mäusebrief« 

Im Salzburger Auktionshaus Kaupp ersteigerte das Deutsche Literaturarchiv Marbach Anfang Dezember 2012 einen weiteren Brief Kafkas: den an Max Brod gerichteten vierseitigen »Mäusebrief« vom 3. Dezember 1917, einen von mehreren Briefen, in denen Kafka seine panische Angst vor Mäusen schildert. Der Zuschlag wurde bei 96.000 Euro erteilt, die aus privaten Spenden aufgebracht wurden. Ab 11. April 2013 wird der Brief gemeinsam mit anderen Handschriften Kafkas in einer kleinen Ausstellung präsentiert. (Pressemitteilung)

Prager Tageszeitungen online 

Nachdem die Österreichische Nationalbibliothek im Rahmen ihres Projekts ANNO sämtliche Jahrgänge des Prager Tagblatt (18761938) digitalisierte und online verfügbar machte, wurde nun von der Tschechischen Nationalbibliothek in Prag auch die zweite deutschprager Tageszeitung Bohemia digitalisiert. Kostenlos verfügbar sind alle Jahrgänge bis einschließlich 1914, die weiteren Jahrgänge bis 1938 unter dem Titel Deutsche Zeitung Bohemia. Der größte Teil der deutsch-jüdischen Publizistik aus Kafkas Lebenszeit ist beim Wissenschaftsportal Compact Memory online abrufbar.

Sohn von Felice Bauer gestorben 

Henry (Heinz) Marasse, der einzige Sohn Felice Bauers, starb am 3. Mai 2012 im Alter von 92 Jahren in Kendal on Hudson nördlich von New York. Im Jahr 1936 war das Ehepaar Marasse mit zwei Kindern in die USA emigriert. Heinz studierte dort Medizin und wurde später Psychoanalytiker.

Kafkas Handschrift als Font 

Nach der Typografin Julia Sysmäläinen hat nun auch die Designerin Julia Bausenhardt eine digitale Schrifttype nach dem Muster von Kafkas Handschrift entworfen. Der Font mit fast 600 Zeichen enthält auch zahlreiche Ligaturen, die das Schriftbild sehr authentisch aussehen lassen. Erhältlich ist die Schrift über die Plattform MyFonts.

Prager Polizeiakten online 

Erneut ist die Erforschung des biografischen Umfelds von Kafka etwas einfacher geworden. Das Prager Staatsarchiv hat sämtliche Meldebögen der Prager Polizei aus den Jahren 1850-1914 digitalisiert und online verfügbar gemacht. Verzeichnet sind Name, Geburtsjahr, Geburtsort, die Namen und Geburtsjahre der Kinder, Beruf des Familienvorstands, die Konskriptionsnummern aller Wohnungen (aus denen sich die Adressen erschließen lassen) sowie die Daten der Umzüge.